DEUTSCHER KABARETT-PREIS 2015
Sonderpreis für Josef Brustmann

Josef Brustmann – Pressestimmen

Josef Brustmann


Auf der Suche nach Freiheit

Gedanken über die Freiheit sind "in" und das nicht erst seit Joachim Gauck. Einer, der sich schon vorher Gedanken darüber machte, ist Kabarettist Josef Brustmann. In seinem Programm: "Ich bin so frei" im alten kino sucht er die Freiheit als Idee und als Recht

Er spürt ihr nach bis in den hintersten bayerischen Winkel und ist dabei bissig, skurril, melancholisch, hintergründig, kritisch, und urbayerisch. Freiheit, die liegt für ihn unter freiem Himmel, wenn er vor einem Auftritt für den Buben in Tracht spontan aufspielt, damit dieser platteln kann. Freiheit, die liegt nicht unbedingt in viel Geld, wohl aber in dem Gefühl, es zu besitzen. Glücklich wähnt er sich als Lottomillionär, bis er merkt, dass seine Frau und er die Zahlen mit dem eigenen Kontrollstreifen vergleichen. Er findet, Kant und sein kategorischer Imperativ waren zu ihrer Zeit "der Kracher", bis man merkte, dass jede Entscheidung, die man trifft, Konsequenzen hat, zum Beispiel bei der Partnerwahl. Und zur Zither singt der ehemalige Musikpädagoge das Lied von der Nuss auf einem Baum, die sich in einen Apfel verliebt. Dieser träumt von der unerreichbaren Kaiserbirne, die wiederum "a zache Kletzn" wird.
Auch der Partnertausch beschäftigt ihn und endet mit einem Wortspiel in der Erkenntnis: "Kant, kant hochgradig riskant sei, weil es kant sei, das a Hena kumt, die den Kant gar ned kannt hod". Das funktioniert nur in Bairisch so gut und das Publikum ist begeistert.
Freiheit, das war für ihn als Kind, in Wolfratshausen - "jetzt kann man es ja wieder sagen" - in den Isarauen unterwegs zu sein. In der Sonne liegen, Feuer machen, Fische braten. Noch eine Generation weiter zurück war es der Krieg, der die Freiheit brachte: "Im Krieg war ich in Frankreich, Champagner und französische Weiber", erzählt der Vater. "Geh Papa!" tadelt dich Tochter. Ebenfalls im Krieg und in der Hitler-Deutschland geschieht eine Ungerechtigkeit, die Josef Brustmann anprangert. Volksmusikant Tobi Reiser, der im Krieg ein großer Nazi war, luchste im KZ einem Zigeuner ein Stück ab. Noch heute klingelt die Kasse bei Tobi Reiser wenn das Stück gespielt wird. Hier wünscht sich Brustmann GEMA-Freiheit und der Applaus schein ihm Recht zu geben. Seine politischen Anmerkungen über Merkel und Co. führen bis in die jüngste Gegenwart und erheitern sein Publikum. Kleine Weisheiten versteckt er in seinen Geschichten, die mal poetisch und mal derb daherkommen. Amüsant bezieht Brustmann sein Publikum ein bei Mitmachnummern und wechselt flugs die Instrumente von Zither zu Gitarre und von Heimorgel zu Tuba.
Ein zauberhafter wie philosophischer Moment entsteht, als er auf der Bühne vor einem großen Ventilator einen kleinen Drachen steigen lässt. Er tanzt am Bühnenhimmel."Und wenn man die Schnur abschneidet, fällt er sofort runter", so Brustmann. Er vergleicht es mit der Freiheit, die ohne Bindung nicht funktioniert. Mit klugem Witz, mit kleinen Gstanzln und vielen Zugaben verabschiedet er sich in die Nacht

Nicole Sutherland in: Ebersberger Zeitung | 16.04.2012


Auf dass die Freiheit nicht zur Freizeit schrumpfe

Josef Brustmann in Seeshaupt

"Ich bin so frei" heißt das neue Solo von Josef Brustmann. Und der in Waldram aufgewachsene Musiker und Kabarettist hat sich dafür wirklich freigemacht - auch vom Zwang, ein klassisches Kabarettstück durchzukomponieren und auszufeilen. Das wundersame und stellenweise auch wunderbare Programm, das er am Donnerstag Abend knapp 200 Personen im Festsaal der "Alten Post" in Seeshaupt bot, hat nichts mit dem Styling heutiger Comedyshows am Hut. Diese angenehm aus der Zeit gefallene Veranstaltung erinnerte eher an die Volkssängerabende im alten München denn an die atemlosen Gagfeuerwerke, welche die allgegenwärtigen Komiker unserer Tage zünden.
Brustmann nimmt sich die Zeit für Geschichte, die von der Freiheit einer Kindheit in einfachen Verhältnissen erzählen ("große Ferien, große Freiheit, sechs Wochen Isar") - oder von den schon etwas weniger freien und doch schönen Abenden mit der Ehefrau zwischen knisterndem Kaminfeuer und sülzendem Fernseher im heimeligen Wohnzimmer. Diese Erzählungen sind nicht brüllend komisch, aber sie atmen eine tiefe Heiterkeit, die zugleich nicht den Ernst des Lebens leugnet. Und vor allem: ihr Witz ist nie aufgesetzt, sie buhlen nicht ums Schenkelklopfen, sondern reflektieren gelebtes Leben. - Leben, das der Satiriker und Lyriker fein beobachtet, ein bisschen querdenkt und mit Herzenswärme aufarbeitet. Josef Brustmann, aufgewachsen mit acht Geschwistern statt mit Luxus, gehört zur Generation, die es als Verlust wahrnimmt, wenn bei manchen modernen Menschen die "Freiheit zur Freizeit geschrumpft" ist.
Auf seiner Suche nach echter Freiheit stöbert der 57-jährige bei Philosophen wie Sokrates und Kant, bei Dichtern wie Gottfried Keller und Oskar Maria Graf. Wenn er ein Bonmot von Karl Valentin oder ein Lied von Hans Well ins Programm nimmt, schmälert das nicht die eigene Leistung, die eigenen Gesänge an Zither und Gitarre, die eigenen Gedanken. Letztere gießt Josef Brustmann in schönstem Bairisch mal in die Form einer Bauernregel ("Kriagt der Bauer nix für'd Milli, bleibt beim Aldi d'Milli billi"), mal kommentiert er blitzgescheit politische Vorgänge wie die Bundeswehrreform: "Das Gute: alle, die nicht wollen, müssen nicht. Das Schlechte: alle, die unbedingt wollen, dürfen".
So bietet der Musikkabarettist, der stets auch so frei war, aus erfolgreichen Projekten (wie der "MonacoBagage") wieder auszusteigen, ehe sie ihm zu eingefahren wurden, in seinem dritten Solo ein feines Mosaik zum Thema "Freiheit" - das auch fein bleibt, wenn es mal derber wird. "Wer einen guten Geschmack hat, aber schlechte Nerven, der kann schon gehen", leitet Brustmann am Ende ein paar Gstanzl ein, mit denen er den Frust angesichts der täglichen Nachrichten verarbeitet - bis hin zum "Müllerbrot, das am schönsten schimmelt".
Statt zu gehen verlangten die Zuhörer in Seeshaupt nach Zugaben. So ist das eben mit der Freiheit: wer sie mal gespürt hat, will immer mehr davon.

Magnus Reitinger in: SZ - Weilheim | 13.2.2012


Tiefgründig und beglückend wie Musik von Schubert

Musikkabarettist Josef Brustmann präsentiert sein neues Programm "Ich bin so frei"

Mit Vergleichen ist man heutzutage recht schnell zur Hand. Auch im Kabarett, wo man Heerscharen junger Polts und Hildebrandts zu entdecken glaubt. Inflationärer als die Floskel "valentinesk" ist derzeit lediglich der griechische Euro. Und dann kommt da dieser Josef Brustmann daher, der doch tatsächlich ein bisschen "valentinesk" ist.
Aber das alleine ist er nun auch wieder nicht. Ein Abend mit dem Musikkabarettisten Josef Brustmann, wie ihn das Futura-Publikum seines neuen Programms "Ich bin so frei" am Samstag erleben durfte, ist anders. Leiser, ruhiger, unaufgeregter. So wie seine bayerisch-erdige Stimme, mit der er Geschichten von der Sehnsucht nach Freiheit erzählt. Aber auch von Bergen voller Ängste und von einer Zukunft, die nicht jedem freudig mit einem "Komm, komm" zuwinkt.
Und spätestens dann, wenn er zu Singen beginnt, wehmütig leise Lieder, bringt er plötzlich Melodien eines ganz anderen Musikers zum Klingen, den man auf der Kabarettbühne garantiert nicht vermutet.
Wenn also ein Vergleich, dann dieser: Ein Abend mit Josef Brustmann ist wie die Musik von Franz Schubert - sehnsuchtsvoll, an "letzte Dinge" rührend, aber auch tröstlich und in höchstem Maße beglückend. Wenn er von seiner Kindheit in Wolfratshausen erzählt, von ärmlichen, aber glücklichen Verhältnissen, von den Isarauen, wo er in den Sommerferien das unwiederbringliche Gefühl grenzenloser Freiheit erleben durfte, dann sind das keine Brüller und Schenkelklopfer, sondern anrührende und fein humorige Geschichten.
Und wenn er über schicksalhafte Umwege, Holzwege und Sackgassen sinniert, dann lässt er auch ein bisschen seine eigene Lebensgeschichte durchblicken, die den mährischen Flüchtlingsbuben auf die Musikhochschule und vom gymnasialen Lehramt auf die Musik- und Kabarettbühne führte.
Bilder des Wanderns und der Heimatlosigkeit durchziehen Brustmanns Geschichten, Lieder und Erzählungen ebenso wie Franz Schuberts "Winterreise". Aber wie Schubert beherrscht Brustmann auch das Ländlerisch-Derbe.
Und so zieht er aufmüpfig gegen Papst, Politik und Bankenkrise vom Leder. Singt rotzfreche Schnaderhüpfler und bringt doch tatsächlich das Publikum dazu, die Melodie des Münchner Glockenspiels zu singen.
Und wenn er bissig-satirische Gedankensplitter streut oder das Nonsens-Lied vom "Zitteraal Ali in Bali" singt, dann hat das in der Tat "valentineske" Anklänge und ist doch noch so viel mehr. Lang anhaltender Applaus für einen besonderen Kabarettabend.

Andrea Prölss in: Neuer Tag | 18.10.2011


Bayern 2 - Kulturwelt

Josef Brustmanns neues Programm "Ich bin so frei"

http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/kulturwelt/brustmann100.html

Bayern 2 Radiokritik | 7.11.2011


Hirsch lebt - Jäger tot: Skurriles von Brustmann

Intelligent-witziges Kabarett

Josef Brustmann, ehemals Kreativkopf des Bairisch Diatonischen Jodel-Wahnsinns und Anführer der MonacoBagage, ist auch im Solo Qualität pur. Am Samstag bot er viel von der Sorte Humor, die zwar lustig daherkommt, aber im Nachgeschmack nachdenklich stimmt. Das Sammelsurium an skurrilen Perspektiven und schrägen Gstanzl'n zu seinem zweiten Solo-Kabarett "Schöner Land in Sicht" ist intelligent, philosophisch und politisch aktuell. So durchstreift er auf der Suche nach der Heimat um und in uns ferne Länder und nahe Seelenlandschaften, baut beispielhafte Charaktere ein und gibt sich selbst ein wenig preis. Kein Kabarett zum Zurücklehnen; hier werden die grauen Zellen mit Vollgas beansprucht. Hinterkünftig, aberwitzig, auch mal zotig und über die Maßen wortklauberisch und spitzfindig sind die Pointen, die Brustmann in kleinen Geschichten oder schüttelreimartigen Versen von sich gibt.
Da sind die Mitbürger seines heimatlichen Wolfratshausen - dem "Mausoleum der gescheiterten Kanzlerkandidaten" - wie etwa der da gebliebene Stoiker, der sich die Heimat daheim zurechtbiegt oder der weg gegangene Sozialromantiker, der lieber im südamerikanischen Urwald den Maputche-Indianern das bayerische Jodeln nahe bringt. Auf heimatlicher Spurensuche begegnet man neben Brustmanns schrillen Kindheitserinnerungen unter anderem auch seinem heimatlosen Opa, hin und her geschubst im Rahmen der Zeitgeschichte zwischen Österreich, Deutschland und der damaligen Tschechoslowakei oder dem auf ewiger "Winterreise" befindlichen aber nie aus Wien weg gekommenen Franz Schubert. Der Herrgott, Allah und Jahve buhlen herb um die religiöse Heimat: hier pariert Brustmann elegant, aber deutlich.
Zur Heimat gehört auch der Nockherberg und den kommentiert Brustmann so: "Wenn du auf einen kapitalen Hirsch wie den Westerwelle zielst, musst du einen Blattschuss setzen, sonst heißt es : Hirsch lebt - Jäger tot". Darauf noch ein Gstanzl auf den Besagten und Parteikollegin Leutheusser-Schnarrenberger und schon stimmt der kabarettistisch-heimatliche Blickwinkel wieder, den Brustmann mal mit Zither und Gitarre untermalt, aber immer mit erfrischend losem Mundwerk zielgerichtet vertritt.

Sylvia Kuhnert in: ANA | 15.3.2010