Andreas Giebel – Pressestimmen

Andreas Giebel


Keine Erholung für die Lachmuskeln

Kabarettist Andreas Giebel begeisterte das Publikum mit seine neuen Programm

(...) Die zweite Lorbeer geht an den Schauspieler Andreas Giebel, der wie ein kongeniales Chamäleon in die verschiedensten Charaktere schlüpft, schniefend, grienend die Zähne bleckt, mit herzzerreißenden Seufzern voller Inbrunst. ob melancholisch depressiv oder kraftstrotzend selbstbewusst, egal ob bayerisch, hessisch, in Kasachendeutscher Wortbrockenschleuder und mit Italo-Timbre, Andreas Giebel gleitet mit einer unglaublichen Sicherheit über die Klaviatur der unterschiedlichsten Typen. Allein seine Mimik ist so stark, so wandlungsfähig, so subtil, dass es sich dafür schon lohnt, ihn auf der Bühne zu erleben.
Die dritte Lorbeer geht an den Kabarettisten Andreas Giebel, der in "Das Rauschen in den Bäumen" als Textdichter in eigener Nabelschau durch den Wahnsinn seines ganz normalen Alltags wandert. "Was Großes schaffen", das wäre halt eigentlich nach seinem Gusto, aber irgendwie steht er immer auf der falschen Seite, ist immer zu spät, hat im Gegensatz zu allen anderen eben nicht alles im Griff.
Das beglückte Peißenberger Publikum wandert mit Giebel durch die verschiedensten Metamorphosen seines Grantlertums. Er mag es eben nicht, wenn ihm die Menschen zu nahe kommen, ob Hausarzt oder seine kasachische Perle Anna Mossolow. Rund um den Karl-Dingshaber-Platz versöhnt und bestraft Andreas Giebel das Leben. Da gibt es noch Geschäfte mit kauzigen Eigentümern wie dem Drogisten Herrn Schönegger, dem schrägen Kioskbesitzer Josef Döderlein, Blumenfee Lydia, zu der er zarte, stille Bande hegt, dem tupfenden Pointillismus-Maler Max.
Zwischen der Beschaulichkeit des "Früher" und dem nervenzerfetzenden TV-, Internet- und Handy-Zeitalter hin und her jonglierend beschreibt Giebel seine Figuren mit feinem Strich, ungemeiner Schlagkraft und krönt das Gemisch mit pikanter Selbstironie. Heimstadt wird dabei immer wieder seine Stammkneipe, das "Wesereck", in dem er Neues vom Tage und auch Sätze für seinen Roman sammeln kann. Dabei hat er einen liebenswürdig brummigen Grundton, der sein Gegenüber nie mit beißendem Spott überzieht, sondern es mit seinen schrullig extrovertierten Eigenheiten einfach gelten lässt.
Giebel zeigt, wie zwischenmenschliche Kommunikation eben so läuft, und das kommt einem dann nicht nur urkomisch, sondern doch irgendwie verdächtig bekannt vor - "tja ...tzzz". Ob Einkaufsodyssee im REWE, Melodienraten mit Penner Klaus oder am Ende das Bild einer fiktiv-skurrilen Vernissage mit Leichenschmaus - die Lachmuskeln finden keine Erholungsphase. Leicht segeln zwei Stunden brillanten Humors mit kleinen pfeilschnellen Globalisierung-Attacken durch die Tiefstollenhalle. Das tut richtig gut

Dorothe Fleege in: Weilheimer Tagblatt | 20./21.10.2012